Der Fall Collini - Ferdinand von Schirach
Irgendwann wird es einem das Guten zuviel, zumal wenn man sich gerade in einem Kriminalroman aufhält wo das Gute stets das Schlechte ist, das Elend, die Trogödie, die schiere Depression…

Apropos ausblenden. Würde man all das, was gute deutsche Kriminalromane des Jahres 2013 ausmachte, ganz einfach ignorieren , stünde er tatsächliche da: der Krimi. Ein Mord, ein(e) Ermittler(in), Verdächtige, falsche Alibis, viel Kombination, ein wenig Aktion, Rätsel, Rätsel, Rätsel, … und am Ende alles klar und alles gut. Keine “Literatur”. Keine Abgründe. Keine Wirklichkeit. Keine enttäutschten Erwartungen? Dafür ein paar Stunden harmlosester Unterhaltung? Wiederspruch? Warum denn?? Ordnung! Aber eigentlich…bin ich noch froh, dass ich auch 2013 wieder einmal nicht wissen, was Krimi ist, was nicht, was er darf und was keinesfalls. lol. 

Vom Anfang bis zum Ende des Buches dieses Romans stand ich unter Schock. Grausamkeit auf jeder Seite. Oftmals an die Grenzen des Erträglichen konnte ich dennoch das Buch kaum aus der Hand legen. Selten habe ich so viel Mitleid mit einem Angeklagten empfunden. Doch wie lange kann ein Mensch rechtliche Ungerechtigkeit ertragen und das auch noch immer im Namen des Volkes. Ist es nicht vom menschlichen Standpunkt her nachvollziehbar, dass sich Opfer – und als solches muss Collini gesehen werden – irgendwann zum Täter wandeln, wenn ihnen der Justizapparat Gerechtigkeit und Sühne verwehrt? 

Erzählweise machen das Buch "Der Fall Collini" zu einem des besten Bücher 2013. 

Auch das Weiterdenken nach dem Buch ist garantiert und in unserer Gesellschaft durchaus vonnöten.