terça-feira, junho 02, 2015

Germanistik: Sadik Al-Azm, Neil MacGregor und Eva Sopher erhalten Goethe-Medaille 2015




Die Goethe-Medaille wurde 1954 vom Vorstand des Goethe-Instituts gestiftet und 1975 von der Bundesrepublik Deutschland als offizielles Ehrenzeichen anerkannt. Die Goethe-Medaille wird zum Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe, am 28. August, verliehen.

Seit der ersten Verleihung 1955 sind insgesamt 338 Persönlichkeiten aus 62 Ländern geehrt worden. Zu den Preisträgern gehören unter anderen Adonis, Daniel Barenboim, Pierre Bourdieu, David Cornwell alias John le Carré, Sir Ernst Gombrich, Lars Gustafsson, Ágnes Heller, György Ligeti, Petros Markaris, Sir Karl Raimund Popper, Jorge Semprún, Robert Wilson oder Helen Wolff.

Die Goethe-Medaille 2015 geht an den syrischen Philosophen Sadik Al-Azm, den Direktor des British Museums Neil MacGregor und die deutsch-brasilianische Kulturmanagerin Eva Sopher. Das Goethe-Institut verleiht das offizielle Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland jährlich an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, übergibt die Auszeichnung am 28. August im Residenzschloss Weimar. Die Laudationes halten die Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Marion Ackermann, die Schauspielerin Hanna Schygulla und der Islamwissenschaftler Stefan Wild.

Die Verleihung 2015 steht unter dem Motto „Der Geist der Geschichte“. Mit den drei Preisträgern werden internationale Persönlichkeiten geehrt, die durch ihre Arbeit die kulturellen Ausdrucksformen und den öffentlichen Diskurs in ihrem Land maßgeblich prägen und zudem eine enge Verbindung zur deutschen Kultur haben. Die Preisträger Sadik Al-Azm, Neil MacGregor und Eva Sopher wirken in ihren jeweiligen Gesellschaften auf unterschiedlichste Weise: Der syrische Philosoph Sadik Al-Azm setzt sich seit Jahrzehnten aktiv für das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ein. Mit seinem Engagement steht er für die Verständigung zwischen der arabisch-islamischen Welt und Westeuropa. Der Direktor des British Museums in London Neil MacGregor verknüpft in seinen Ausstellungen komplexe kunsthistorische und historische Themen und bringt durch sein kuratorisches Engagement einem breiten Publikum ein neues Geschichtsbewusstsein näher, zuletzt in der anlässlich des Mauerfall-Jubiläums konzipierten Ausstellung „Germany: Memories of a Nation“. Die Brasilianerin Eva Sopher schuf mit dem renommierten Theatro São Pedro in Porto Alegre eine einzigartige internationale Begegnungsstätte für Bühnenkünstler jeglicher Couleur.

Sadik Al-Azm
Sadik Al-Azm gilt als einer der wichtigsten Intellektuellen in der Arabischen Welt. Er studierte Philosophie an der Amerikanischen Universität in Beirut, wo er später auch lehrte. Al-Azm hatte weltweit zahlreiche Professuren inne, etwa an der Universität Damaskus, aber auch in Berlin und Hamburg. Im Zentrum seines Denkens stehen die philosophischen Werke von Immanuel Kant und Karl Marx. Al-Azm bezieht die Theorien der Aufklärung auf die arabisch-islamische Welt, deren Modernisierung durch Säkularisierung er fordert. Al-Azm veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel auf Arabisch, die in viele europäische Sprachen übersetzt wurden. Zu seinen wichtigsten Schriften gehören „Selbstkritik nach der Niederlage“ (1968), „Kritik des religiösen Denkens“ (1969), „Unbehagen in der Moderne – Aufklärung im Islam“ (1993) und „Islam und säkularer Humanismus“ (2005). In Folge der eskalierenden Gewalt in Syrien erhielten Sadik Al-Azm und seine Frau 2012 politisches Asyl in Deutschland.

Neil MacGregor
Unter der Leitung von Neil MacGregor wurde das British Museum mit 6,7 Millionen Besuchern jährlich zum weltweit bestbesuchten Museum nach dem Louvre. Eine Reihe von BBC-Radiovorträgen, in denen MacGregor die „Geschichte der Welt in 100 Objekten“ erklärt, und ein daraus entstandenes Buch machten ihn berühmt. MacGregor wuchs in Glasgow auf und lernte bereits in seiner Schulzeit Deutsch. Sein akademischer Ausbildungsweg spiegelt seine breitgefächerten Interessen wider: So studierte er Französisch und Deutsch (New College, Universität Oxford), Philosophie (École normale supérieure, Paris), Rechtswissenschaften (University of Edinburgh) sowie Kunstgeschichte (Courtauld Institut, Universität London). 1987 wurde er Direktor der National Gallery in London, seit 2002 leitet er das British Museum. Im Jubiläumsjahr 2014/2015 machte MacGregor mit seiner großen Deutschlandausstellung „Germany: Memories of a Nation“ im British Museum von sich reden. Die Ausstellung fokussierte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und bettete ihn in einen Gesamtüberblick zur deutschen Geschichte ein. Begleitet wurde die Ausstellung von einer mehrteiligen Radioreportage mit der BBC. Seinen Posten als Direktor des British Museums gibt Neil MacGregor zum Herbst diesen Jahres auf: Ab Oktober 2015 wird MacGregor Leiter der Gründungsintendanz für das Humboldt-Forum in Berlin; zum Intendantenteam gehören außerdem Horst Bredekamp und Hermann Parzinger. Daneben wird er für die BBC eine neue Radioserie zum Thema „Glaube und Gesellschaft“ konzipieren und in der indischen Metropole Mumbai im CSMVS-Museum beim Aufbau einer neuen Präsentation zu den Weltkulturen mitarbeiten.

Eva Sopher
Die Präsidentin des Theatros São Pedro Eva Sopher, geboren 1923 in Frankfurt, hat mit ihrem leidenschaftlichen Engagement für die Bühnenkunst die Kulturlandschaft Porto Alegres maßgeblich geprägt. Nachdem sie das Theater Mitte der 1970er Jahre vor dem Abriss bewahrt hatte, schuf sie eine Spielstätte, die in ihrer Lebendigkeit und Internationalität bis heute bemerkenswert ist. Ihr Theater fördert den internationalen Kulturaustausch wie wenig andere Institutionen in der Region. Als Tochter einer deutsch-jüdischen Familie musste Eva Sopher Ende der 1930er Jahre vor den Nationalsozialisten fliehen und fand in Brasilien Zuflucht. Mit dem Theatro São Pedro, das Sopher seit 1975 leitet, hat sie eine in der Region einzigartige Bühne für lokale Nachwuchskünstler und internationale Größen wie Pina Bausch, Susanne Linke oder Hanna Schygulla geschaffen. Auch der international erfolgreiche Pianist Nelson Freire, sowie der 1994 verstorbene Musiker und Komponist Tom Jobim traten im Theatro São Pedro auf. Eva Sopher erhielt für ihre Arbeit zahlreiche lokale und internationale Ehrungen. 1970 wurde sie vom deutschen Bundespräsidenten für ihre deutsch-brasilianische Kulturarbeit mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1995 erhielt sie in Brasilia den Preis Preservação da Memória für Kulturdenkmalschutz.

Die Laudationes auf die Preisträger halten die Schauspielerin Hanna Schygulla (Eva Sopher), die Künstlerische Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Marion Ackermann (Neil MacGregor) und der Islamwissenschaftler Stefan Wild (Sadik Al-Azm). Gemeinsam mit dem Kunstfest Weimar lädt das Goethe-Institut den Preisträger Sadik Al-Azm am Abend des 26. August zu einem Vortrag über die Dynamiken und Perspektiven des Verhältnisses von Islam und Aufklärung ein. Das anschließende Gespräch wird moderiert von der Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, Co-Direktorin des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und Vizepräsidentin des Goethe-Instituts. Am 27. August spricht Preisträger Neil MacGregor über „Die Geschichte der Welt in 100 Objekten“ und die anlässlich des Mauerfall-Jubiläums von ihm organisierte Ausstellung „Germany – Memories of a Nation“ und stellt dabei auch Bezüge zu Weimar her. Diese Veranstaltung wird organisiert vom Goethe-Institut, dem Kunstfest Weimar und der Klassik Stiftung Weimar.

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