sábado, junho 20, 2015

Die Vergangenheit ist bekanntlich schlecht, und letztlich stärker als die Gegenwart: “Mockingbird Songs” by R. J. Ellory


NB: My German friends are always asking me to write more in German. This is just for you all… This was also a chance to flex and stretch my (fairly measly) German language muscles. I feel I’m getting rusty…Translation into English soon to follow as soon as the heat wave abates...Another note. All the mistakes in the review below were due to this scorching temperature, and not to my lack of command of the German Language... I cannot be held accountable…“I like it hot,” but for writing enough is enough…

Published May 7th 2015.

"Determining when loving someone became being in love was indeterminable. Something they said, something they did, an idiosyncrasy of character that was theirs and theirs alone?"

Krimis, die so richtig quer stehen zur üblichen Lesart, sind, wenn man mal ehrlich sein will, selten. Klar gibt es Bücher, die herausragen, sei es aufgrund der Sprache oder des ausgefallen Plots oder der dichten Atmosphären, Handwerk eben. Die verschiedenen Subgenres haben ihre Schnittmuster und wenn ich Glück habe, kann der Autor des Kaisers kleider vortrefflich schneidern, aber dass ein Autor etwas ganz Neues hinzufügt, das passiert nicht oft. R. J. Ellory “Mockingbird Songs” ist, glaube ich, so ein seltenes Buch.

Da stellt sich anfänglich beim Lesen, gelinde gesagt, etwas Überraschung ein. Einer der Grundpfleiler eines Krimis ist die Realitätsverbundenheit. Wird diese aufgebrochen, wie z.B., bei “Fever of the Bone” von Val McDermid, endet das Ganze im Fiasko. Ein Krimi macht für mich einfach keinen Spass, wenn der Autor ihn nach Strich und Faden belügen kann and alles mit übersinnlichen Kräften erklären wird. Das ist eines dieser Bücher, die in unserm Kopf alles in Unordnung bringen, was wir uns so zu unsrer Bequemlichkeit zurechtgebaut haben, alles kriegt gewissermaßen Löcher und Risse und wird durchsichtig - ja, für was nun: für die Wahrheit? für eine Schönheit, die beunruhigender ist als wir dachten? Schwer zu sagen, was Kunst eigentlich tut, was Lesen bewirkt.

Hilfreich ist, dass Ellory nicht nur gut erzählen kann, er hat auch viel pathos und zwar einen feinen, eleganten, konzequent die Möglichkeit seiner Konstrution ausnutzenden:
"War changes a man. It changes his eyes, his mind, his heart, his soul. It teaches him about impermanence and fragility. It shows him the holes in the master plan, and it questions his belief in God. Most often undermines it as well. War is for those who have forgotten how to speak to one another."
Das strahlt dann tatsächlich eine grösseren Realismus als, als z.B., die Bücher James Ellroys, die aufgrund der grotesken Übertreibungen immer surreal wirken. Dabei folgt Ellory den Vorgaben eines modernen Thrillers genau. Sei es der verzweifelte Kampf mit den Starken und Mächtigen, sei es die Art und Weise wie er Spannung schafft, sei es das mehrfache Fintieren, um mich and der Nase herumzuführen. Und für all das hat Ellory sogar zwei “Bühnen”: Carson und Evan. Dieses doppelte Wechselspiel  zwischen den beiden und dem ungewöhnlichen Plot und dem Befolgen klassischer Genreregeln, das hat nicht nur einen ganzen eigenen Reiz, nein, das ist gross. Mit anderen Worten: ein ungewöhnlicher Lesegenuss, bezaubernd, avantgardistich, gelungen. Ein muss für alle, die Autoren schätzen, die nicht nur Neus probieren, sondern, es auch gekonnt und stilsicher durchziehen können.

Ellory´s Romane gehören zu der Sorte, dass die Figuren und Geschichten Bilder lange nachklingen.
All comes back, doesn’t it? [ ] Past is the landscape that follows you no matter where you go.”, “sagt” Ellory. Die Vergangenheit ist bekanntlich schlecht, und letztlich stärker als die Gegenwart. Ich war beeindruckt, wie konsequent Ellory dies auf den Punkt bringt.
Für mich eines der herausragenden Krimis dieses Lesejahres, und vielleicht einer der besten Krimis von Ellory.

(Mein Bücherregal)



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